Neues‎ > ‎

So sieht der Arbeitstag eines Bademeisters aus

veröffentlicht um 31.08.2018, 03:57 von Dirk Ziegelmeier   [ aktualisiert: 31.08.2018, 03:57 ]
Seit Wochen leidet Deutschland unter der Hitze - und auch in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen wieder ansteigen. Wer im klimatisierten Büro arbeitet oder in einem Kühlhaus, hat das große Los gezogen. Und auch Bademeister wäre jetzt kein schlechter Job. Die RNZ hat den Ladenburger Bademeister Jörg Leppert einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.

Eigentlich hatte sich Leppert, der in Edingen-Neckarhausen aufwuchs, auf ein Leben als Schreiner eingestellt. Doch dann wollte der Rücken nicht mehr mitmachen, und der heute der 51-Jährige beantragte eine Umschulung. Ein Masseur im Hallenbad Neckarhausen machte ihm den Beruf des Bademeisters schmackhaft. Leppert fing Feuer und machte dort eine Ausbildung. Als dann vor 17 Jahren in Ladenburg ein Bademeister gesucht wurde, wechselte Leppert ans andere Neckarufer. Auch heute noch werden Fachangestellte für Bäderbetriebe, wie der Beruf offiziell heißt, händeringend gesucht. "Viele unterschätzen die Anforderungen des Berufs", erzählt Leppert. Die Rettungsschwimmerprüfung etwa muss man alle zwei Jahre neu machen. Zudem braucht man technisches wie handwerkliches Verständnis - und nicht zuletzt auch Chemiekenntnisse.

Für diesen sogenannten SOS-Beruf werden auch Meisterkurse angeboten. "SOS, das steht für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit", erklärt Leppert. Zusammen mit Senol Genc ist er für das Ladenburger Freibad verantwortlich. Die beiden Bademeister sind bei der Stadt angestellt. Im diesjährigen Rekordsommer bekommen sie zudem Verstärkung von drei Bademeistern aus Ilvesheim. Seit der Schließung des Ilvesheimer Freibads arbeiten die Gemeinden hier zusammen.

Bis zu 7 000 Badegäste zählt das Ladenburger Freibad derzeit pro Tag. Die Kosten für die Einrichtung belaufen sich auf rund 400.000 Euro jährlich. Für dieses Jahr hatte die Stadt mit Einnahmen des Schwimmbads in Höhe von 200.000 Euro gerechnet. Eine Schätzung, die jetzt schon um 10 Prozent überschritten sei, sagt Stadtbaumeister Andre Rehmsmeier, der für das Freibad zuständig ist.

Nach der Badesaison bekommt Rehmsmeier von Leppert auch eine Liste mit notwendigen Reparaturen und Anschaffungen. Im letzten Jahr wurde zum Beispiel eine neue Pumpensteuerung für 20.000 Euro eingebaut, mit der die Stromkosten jährlich um 5000 Euro gesenkt werden sollen. In der "Winterpause" stehen dann etwa Fliesenarbeiten an. Oder es muss ein neuer Wasserreiniger gekauft werden. Leppert selbst wünscht sich eine Aufenthaltskabine am Beckenrand. Noch muss er in einem Holzverschlag sitzen, wenn er mal eine Pause von der Sonne braucht.

Seinen Dienst beginnt der Bademeister morgens um 7.30 Uhr, um 9 Uhr öffnet das Freibad dann für die Gäste. Jeden Tag kontrolliert Leppert die Pumpen, Filter und die Chlordosierung. Außerdem untersucht er das Wasser und prüft den Verkeimungsgrad.

Einmal im Monat schickt er Wasserproben ins Labor des Gesundheitsamts. "Unsere Wasserqualität ist sehr gut", meint Leppert. Auch mit der Schwimmbadtechnik ist er zufrieden. Bei dem großen Umbau im Jahr 2005 wurden zwei weitere Filteranlagen eingebaut, sodass in Ladenburg nun vier Schmutzfilter in Betrieb sind. Groben Dreck wie Blätter oder Äste fischen Leppert und seine Kollegen mit dem Kescher aus dem Wasser. Den Rest entfernt der automatische Wassersauger.

Die Liegewiesen des Freibads säubert morgens ein Rentner, der sich ein paar Euro dazuverdient. Zudem werden die Wiesen ein Mal in der Woche gemäht. Die sanitären Anlagen reinigen abends Profis. In der besucherstarken Zeit gibt es jeden Tag noch eine Zusatzreinigung.

Das Team um Leppert ist auch für die Badeaufsicht zuständig. Ein ausgebildeter Bademeister muss immer am Beckenrand stehen und ein Auge auf die Schwimmer haben. "Nicht von der Seite ins Becken springen", ist einer von Lepperts Standardsätzen. X-Mal musste er den schon sagen. Auch "Akrobaten", die versuchen, im Stehen zu rutschen, bekommen eine Verwarnung.

Meistens sind die Badegäste vernünftig. Aber der Bademeister scheut sich auch nicht, Uneinsichtigen die Rote Karte zu zeigen. Ein Rauswurf aus dem Freibad sei aber eher die Ausnahme.

Wichtig ist Leppert auch die Zusammenarbeit mit Helfern: Die Johanniter-Unfallhilfe, die DLRG und der Förderverein FFL sind unabdingbare Partner für den Profi am Beckenrand.

Man nimmt es dem Bademeister ab, dass er nach manch heißem Sonnentag abends auf dem Zahnfleisch geht. Die Bademeister haben zwar eine tariflich festgelegte Wochenarbeitszeit von 39 Stunden - aber das nur in der Theorie. Bis zu 400 Überstunden fallen in einer Saison an, die dann im Winter abgebaut werden können. Dann zieht es Leppert und seine Familie in den kühlen Norden - irgendwo ans Meer.

Ein Traumberuf sei Bademeister für ihn nicht, gibt Leppert zu. Aber: "Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich schätze die Abwechslung und die Begegnungen mit den Badegästen", sagt er. Und: "Wenn ich von einem kleinen Badegast mit ’Hallo Herr Bademeister’ begrüßt werde, dann sage ich mir immer wieder: Eigentlich hast du einen tollen Beruf."