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Rutsche ging nicht im Schlamm baden

veröffentlicht um 26.05.2013, 22:52 von Dirk Ziegelmeier   [ aktualisiert 26.05.2013, 22:55 von Förderverein Freibad Ladenburg ]

Die Installation der Familienrutsche im Ladenburger Freibad war eine schwere Geburt. Eigentlich sollte die in Mittelsachsen angefertigte 18 Meter lange Edelstahlrutsche in zwei Tagen montiert sein. Dass daraus nun sechs Arbeitstage wurden, lag gleich an mehreren unglücklichen Umständen. Als die fast drei Tonnen schwere Rutsche in der vergangenen Woche von einem Spezialtransporter über die Autobahn von Sachsen nach Ladenburg angeliefert wurde, schien noch alles glatt zu gehen. Überrascht war allerdings Bademeister Jörg Leppert, weil die Edelstahlrutsche "in einem Stück" geliefert wurde. Er hatte gedacht, dass die Rutschfläche in drei Teilen angeliefert und in Ladenburg zusammengebaut wird.

Mit der Fundamentarbeit, die bereits vor drei Wochen abgeschlossen wurde, waren die Monteure der Rutschenfirma zufrieden. "Alles passt, die Betonteile sind perfekt ausgehärtet", so der Montageleiter. Auch der Pumpenschacht, in dem die Umwälzpumpe installiert wird, wurde einwandfrei angefertigt. Mit der Montage des Treppenaufgangs konnte daher umgehend begonnen werden. Die vier Meter hohe Metallkonstruktion war zügig aufgestellt und verschraubt, sodass nur noch die Rutschenfläche montiert werden musste.

Doch nun begannen die Probleme, die größtenteils mit dem Wetter zusammenhingen. Weil es seit Wochen heftig regnet, ist der Rasen des Bades derzeit aufgeweicht. Es war ein Risiko, mit schweren Maschinen und einem Kranwagen bei diesen Bodenbedingen in das Freibad zu fahren. Der ursprünglich georderte Kranwagen wurde durch einen kleinen Spezialkran ersetzt, der die Rutsche unter normalen Bedingungen aber immer noch transportieren konnte.

Auf der befestigten Straße ging noch alles glatt, aber als der Kran an der Neckarseite auf die Schwimmbadwiese fuhr, gab es die ersten Probleme.

Die Räder des Krans gruben sich tief in die Rasenfläche ein, so dass an ein zügiges Fortkommen nicht zu denken war. Obwohl die Stützen des Krans mit Holzblöcken unterbaut wurden, damit er nicht noch tiefer in den Boden sinken konnte, war schnell klar, dass die Arbeit mit diesem Kran nicht ausgeführt werden kann. Weil das Gerät in Schieflage geriet, schaltete die Sicherheitsautomatik den Motor immer wieder ab. Und weil ein Unglück selten alleine kommt, platzte auch noch der Hydraulikschlauch, so dass der Kran nicht mehr funktionstüchtig war.

Der Hersteller der Rutsche entschied sich nun in Absprache mit der Stadtverwaltung, einen größeren Kran zu ordern, der auch einen größeren Ausleger hatte. Zwar hatte der Schwimmbadverantwortliche in der Stadtverwaltung, Gregor Völker, große Bedenken, aber es musste nun ein höheres Risiko eingegangen werden. "Wir können die Rutsche ja nicht auf dem Rasen liegen lassen und auf besseres Wetter hoffen", so Völker. Er erinnerte auch an die Kosten, die durch die Verzögerung entstanden.

Der nun eingesetzte Kranwagen hatte große Probleme, die Montagestelle überhaupt zu erreichen. Die Räder des Krans drehten auf der nassen Wiese durch, so dass sich der Lastwagen nicht einen Meter bewegte. Die Baufirma Schnell aus Hirschberg wurde nun hinzugezogen, die den Kran über eine Stahlplattenstraße Schritt für Schritt an die Montagestelle "lotste". Der Schaden an der Wiese ist jedoch erheblich. Der hintere Wiesenbereich sah so aus, als ob ihn eine Horde Wildscheine umgepflügt hätte. Rasenexperte Erhard Schollenberger von der Firma Erda-Gartenservice runzelte die Stirn. Durch den Einsatz der schweren Maschinen sei der Rasen stark verdichtet. "Wir haben aber schon schlimmere Schäden behoben", meinte Schollenberger. Der Rasen lasse sich durch den Einsatz von Lockerungsmaschinen und Rollrasen wieder in Schuss bringen.

Alle waren erleichtert, als die Rutsche in der Verankerung des Treppenturms montiert war. Die Mienen der Bademeister Jörg Leppert und Senol Genc hellten sich ebenso auf wie die von Völker, der von einer "wirklich schweren Geburt" sprach. Sorgen bereitet der Verwaltung zudem die Reparatur des Beckenkopfes. Da nachts die Temperaturen sogar unter fünf Grad fallen, können Kleber und Kunststoffe nicht aushärten. Noch ist Völker optimistisch, dass das Freibad Mitte Juni öffnen kann, aber der Zeitplan wird immer enger.


Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung